Die Geschichte des Förstel seit Mitte des 16. JahrhundertsCopyrights (c) by AltersWohnsitz "Gut Förstel" Raschau Alle Rechte vorbehalten!Die Geschichte des "Förstel" beginnt mit dem legendären Berg- und Hammerherrn Kaspar Klinger, der 1540 am linken Ufer des Schwarzbachs Schmelzhütte und Hammerwerk Förstel erbauen ließ. Er ist uns heute noch bekannt durch die Sage von der Dudelskirche. Klinger besaß Fundgruben am Scheibenberg. An der Gründung des Bergstädtchens 1522 hatte er seinen Anteil. Sein Sohn Nikolaus folgte als Hammerherr. Dessen Sohn Nikolaus Klinger der Jüngere (1551 - 1610) brachte das Werk zu hoher Blüte. Er soll damals der reichste erzgebirgische Hammerherr gewesen sein, denn er besaß auch Werke in Oberrittersgrün, Sachsenfeld, Voigtsberg, Obermittweida und den Kugelhammer in Schwarzenberg. Sein Nachfolger, Rudolf von Schmerzing, erweiterte den Besitz durch Ankauf eines größeren Waldgrundstücks rechts des Schwarzbachs. Unter ihm wurde Förstel in den Stand eines Rittergutes erhoben. Den 30-jährigen Krieg überlebte der Hammer nicht. Er wurde wahrscheinlich 1632/33 durch die kaiserlichen Söldner des berüchtigten Generals Heinrich Holk zugrunde gerichtet. Das vom Gut abhängige Dörfchen Langenberg entstand um 1600. Nach dem großen Krieg wechselten häufig die Besitzer: Hans Ernst von der Mosel (1646), Hannibal von Schmerzing (1664), Christian Cronberg (1669), Christoph Häßler (1687), Barbara Häßler (1694), Johann Treutler (1701) und Gottlieb Treutler (1764). Cronberg, Bürgermeister in Annaberg, betrieb um 1675 auf Förstel eine Papiermühle. Nach dem Siebenjährigen Krieg besaß Treutler auf dem Erbgut zwei Pferde, einen Ochsen, sechs Kühe und 30 Schafe.1790 kaufte Johann Querfurth (1747 - 1817) das Förstel. Er war Ratsherr und Bürgermeister in Annaberg. Unter ihm wurde das ganze Anwesen am rechten Ufer des Schwarzbaches auf wilder Wurzel neu errichtet. Von 1793 bis 1814 entstanden mehrere landwirtschaftliche Gebäude und das Herrenhaus, das schon 1807 eingeweiht wurde. Auf diesen Besitzer geht die Entstehung des "Langenberger Vugelschießens" zurück, das als Volksfest jedes Jahr nach Pfingsten von jung und alt gefeiert wurde. Der Sohn, Carl Edler von Querfurth (1779 - 1845) übernahm das Gut 1817 und erwarb 1820 das Pöckelgut in Mittweida. 1825 nahm er seinen Wohnsitz in Schönheiderhammer und sorgte für das Gedeihen des dortigen Eisenwerkes. Ab 1838 entfielen die althergebrachten feudalen Leistungen der Langenberger Häusler gegenüber dem Gutsherrn. Die nächsten Besitzer waren Gustav Flemming (1846), Carl Böhm (1872), Oskar Meyer (1877) und Carl Meyer (1881). Die Brüder Meyer stellten im Herrenhaus ein Zimmer bereit, in dem die Langenberger Schulkinder unterrichtet wurden. Auch der Förstelgasthof hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem beliebten Ausflugslokal entwickelt.Der Pharmazeut Dr. Willmar Schwabe (1839 - 1917) kaufte nunmehr das Erbgut Förstel. Er ließ es aus- bauen, und am 15. Oktober 1889 wurde es als "Heimstätte für Genesende" eingeweiht. Dr. Schwabe stellte es zur unentgeltlichen Nutzung bereit. Er war in Leipzig eine angesehene, stadtbekannte Persönlich- keit, war Stadtrat und eine Zeit lang Vorsitzender der Krankenkasse Leipzig und Umgebung. Als Apotheker, Wissenschaftler und Inhaber einer Arzneimittelfabrik erwarb er sich große Verdienste in der Verbreitung der Homöopathie in Theorie und Praxis. Neben Förstel hatte Dr. Schwabe auch Gleesberg bei Schneeberg und Augustusbad bei Dresden als Kurheim eingerichtet. Diese drei Erholungsstätten vereinigte er 1905 zur "Dr. Willmar Schwabeschen Heimstättenstiftung". Er schrieb: "Die Stiftung hat den Zweck, Minderbe- mittelten nach schwerer Krankheit völlige Gesundung wiederzugeben, sie widerstandsfähig zu machen und dadurch ihre Erwerbsfähigkeit zu verlängern...". Von den Zinsen der 1906 ins Leben gebrachten "Louise-Schwabe-Stiftung" konnte armen bedürftigen Personen eine vierwöchige Kur angetragen werden.Indessen bestand die Gutswirtschaft weiter. Der Pächter versorgte die Pfleglinge teilweise mit Nahrungsmitteln, denn schon damals wurde täglich fünfmal gegessen. Der Landwirt besorgte auch den An- und Abtransport der Kurgäste vom und zum Bahnhof Schwarzenberg mit Hilfe des Pferdegeschirrs. Als der Begründer des Heims im 1. Weltkrieg dem sächsischen Kriegsministerium 100.000 Mark zur Verfügung stellte, bestimmte er, dass das Geld nur für sächsische kurbedürftige Kriegsinvaliden ausgegeben werden darf. Finanzielle Verluste der Heimstätten trug er aus seinem persönlichen Vermögen, Überschüsse übergab er der Krankenkasse.Die Heimstätte Förstel um 1910Nach 1917 führte der Sohn, Hofrat Dr. Willmar Schwabe (1878 - 1935), das Werk des Vaters weiter, an dessen Seite er schon jahrelang gewirkt hatte. Die Zeit der Inflation wirkte sich auf das Heim nachteilig aus. Im Sommer 1922 konnten nur 22 Pfleglinge betreut werden. Ab 1935 traten die Enkel des Gründers, Dr. Willmar Schwabe und Dr. Wolfgang Schwabe die Nachfolge an. In nationalsozialistischer Zeit wurde Förstel zum Müttererholungsheim umprofiliert. Zu einer Zufluchtsstätte für Frauen und Kinder wurde das Heim ab 1943, als infolge anglo-amerikanischer Bombenangriffe viele Menschen aus den westlichen Landesteilen nach dem Osten evakuiert wurden. Im Sommer 1945 war Förstel überfüllt mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten.1946 begann die Umgestaltung zum Altersheim. Die Schwabesche Heimstättenstiftung mußte 1959 aufgelöst werden. Das Heim führte den Namen "Feierabendheim der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft". 1967 lebten hier 67 Heimbewohner, die stets zur Pflege und Verschönerung der Anlagen beitrugen.1976 wurde ein erster Anbau errichtet. Schließlich wurden 1982 alle noch verbliebenen alten Wirtschaftsgebäude abgerissen und für 5 Millionen Mark ein weiterer Neubau bewerkstelligt, der im gleichen Jahr eingeweiht wurde. 1987 wohnten 109 Veteranen im Heim, darunter 67 Pfleglinge. 1989 wurde das 100-jährige Bestehen des Heims feierlich begangen.Am 01.09.1992 konnte die Dr. Willmar Schwabesche Heimstättenstiftung ihre althergebrachten Rechte wieder-erlangen. Manches hat sich seitdem für die Heimbewohner (1992 waren es 154) verändert. 1995 wurde das denkmalgeschützte Herrenhaus vollständig umgebaut, und 1996 konnten hier 14 Wohnungen für "Betreutes Wohnen" übergeben werden. Für Geselligkeit und Unterhaltung wurde eine "Caféteria" eingerichtet. Seit März 1995 besitzt das "Pflegeheim Gut Förstel" einen Kleinbus. Jedes Jahr kommen jung und alt aus der Umgegend zum Sommerfest ins Förstel, das schon zu einem Volksfest geworden ist.Diese Glocke zierte vor vielen Jahren das Herrenhaus. Im Erdgeschoß dieses Gebäudes befand sich damals die Küche des Altenheimes. Das Küchenpersonal benutzte dieses Glöckchen, um den Heimbewohnern die Essenszeiten zu verkünden.Das alte mechanische Uhrwerk leistete viele Jahrzehnte seinen Dienst im Turm des alten Herrenhauses von Gut Förstel. Seit der Rekonstruktion des Altenwohnheimes ziert es nun das Foyer des Gebäudes. Genauso wie damals zeigt es auch heute noch die Zeit an, was aber nur nach einer umfangreichen Reparatur des Spezialisten Peter Leonardy, ein Ur-Urenkel des Begründers der Stiftung aus Karlsruhe, sowie durch den Einsatz des Vorstandsmitgliedes Herrn Willmar Schwabe möglich wurde. Nach Aussage des Fachmannes ist dieses Uhrwerk etwa 300 Jahre alt und wurde seitdem schon mehrfach umgebaut und renoviert. Dieses Erinnerungsstück ist wohl älter als das heutige Herren-haus und war bereits in einem anderen Gebäude eingebaut. Angetrieben durch ein schweres Steingewicht kann man dieses Museumsstück jederzeit im funktionsfähigem Zustand bewundern.Das Herrenhaus nach der Restaurierung im Mai 1996